Sammelsuri-RUM - Was mich mit dem Radio verbindet

Was mich mit dem Radio verbindet

Allgemeines zu mir und meinem Wirken bei "Sammelsuri-RUM"

Mein Name ist Ulrich Hofstetter.

Ich zeichne als Person verantwortlich für die redaktionell inhaltliche Gestaltung von „Sammelsuri-RUM“
was die Musik und das gesprochene Wort betrifft.

Die erste Ausgabe von „Sammelsuri-RUM“ startete im Juli 2005. Seither habe ich mich Monat
für Monat um einen jeweiligen Themenschwerpunkt und die entsprechende musikalische Ausgestaltung
der zweistündigen Sendung bemüht. An jedem vierten Freitag eines Monats finde ich mich in einem der
beiden Sendestudios von Radio Unerhört Marburg ein, um die Sendung live zu moderieren und technisch zu betreuen.

Wie ich meine Vorliebe für das Radio entdeckte

Ich wurde 1969 in Süddeutschland geboren und schon früh habe ich die Vorliebe für das Medium "Radio"
entdeckt. Anekdoten zufolge bin ich schon als dreijähriger nahezu buchstäblich in jedes Radiogerät
„hineingekrochen“, was damals aber wohl hauptsächlich mit der für Kinder diesen Alters faszinierenden
Ausleuchtung der Frequenzbandanzeige altertümlicher Rundfunkgeräte jener Tage zu tun hatte.

Kinder jenen Alters lassen sich auch von den bunten rotierenden Labels in der Mitte einer sich drehenden
Vinyl-Schallplatte faszinieren, was nicht immer unbedingt vorteilhaft für die Schallplatte oder die
Abspielnadel ausgehen muß!

Meine bisherigen Erfahrungen als Hörer mit dem Medium "Radio"

Auch wenn der Hörfunk in den siebziger und frühen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine fast
rein öffentlich-rechtliche Angelegenheit war, bot er den Zuhörenden doch meist eine beträchtliche
Informationstiefe und regte zudem durch seine Nichtvisualität in hohem Maße die Phantasie und Kreativität an.
Für mich persönlich war das Radio in Jugendjahren neben der regulären Schulbildung und der Hingabe an das Schmökern von
Büchern das Informations- und Unterhaltungsmedium "Nummer eins".
Während das Fernsehen zwar aufklärte und Geschichten erzählte, ließ dasRadio aber genügend Räume für eigene Vorstellungskraft,
und speiste somit nicht nur einfach plump ab, sondern stimulierte die Neugier und den Hunger nach mehr von Dem, was da
aus den Lautsprechern kam. Gleichzeitig schätze ich am Radio bis heute, daß es einen im Vergleich zum Fernsehen längst nicht
so sehr in Beschlag nimmt. Es ist in vielen Fällen möglich, während des Hörfunk-Konsumes der häuslichen- oder sonstigen
Arbeit nachzugehen, ohne dabei den Anschluß an die Weltgeschehnisse zu verlieren. Das Fernsehen, aber auch etwa
das Internet erfordern stets die volle Aufmerksamkeit. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum sich seit vielen Jahren
das Autoradio, bislang aber nicht das fern sehen oder surfen im Netz während des Lenkens eines Fahrzeuges etablieren
konnte.

Das Radio hat meinem Leben in den frühen Jahren Struktur verliehen. Es hat mir meine ersten wirklich wichtigen
"festen Termine" gesetzt, zu denen ich ein Programm ein- oder abgeschaltet habe. Gleiches hätte sicherlich unbestrittener-
maßen auch das Fernsehen schaffen können. Leider hat mich in frühen Jahren jedoch die Schlagerparade weitaus mehr
angesprochen als die Hauptnachrichtensendungen der beiden damals empfangbaren landesweiten Fernseh-
kanäle. Später hat sich zwar meine Interessenslage etwas zugunsten von Nachrichtenangeboten, wenn nicht verschoben
so doch zumindest ausgeweitet, das Radio habe ich dabei jedoch nicht aus dem Focus verloren.

Und dann, in den Jahren, in denen man als junger Mensch von ersten ernsten Zweifeln und Fragen überfallen wird,
zu deren Klärung man sich zunächst mühevoll bereit erklären muß, um sie dann quälend langsam und mit häufig schmerz-
haften Erfahrungen und Erkenntnissen zu bearbeiten, in jenen Jahren war Radio ein treuer Wegbegleiter. Es lieferte
Impulse und allerhand Trostpflasterei und ließ teilhaben an so Manchem Zeitgeschehniß, an dem ich sonst hätte wohl
kaum Anteil nehmen können.
Es waren die Tage, an denen ich an sonnig heißen Juli-Wochenenden 16 Stunden lang vom frühen Nachmittag an bis zum
Morgengrauen im aufgeheizten Jugend-Dachzimmer vor dem Radio klebte, nur um bloß nichts von "Live Aid" zu verpassen.
Es war die Zeit, in der ich mich trotz Schulferien morgens um sechs Uhr aus dem Bett hochrappelte, um dann stunden- und tagelang mit gesteigerter Aufmerksamkeit und gerecktem Zeigefinger an der "Pause"-Taste des Cassetten-Recorders
darauf zu lauern, meine Musiksammlung weiter auffüllen zu können. Es war allerdings auch die Zeit, in der einem die
Radio-DJs jener Tage noch die Gelegenheit dazu ließen, die Titel noch in Original-Länge aufzunehmen und das
"reinquatschen" in die Musik (noch) nicht so sehr zum guten Ton gehörte.

Ach ja, die Radio-DJs jener Tage! Jener Tage, als mein Platz am gemeinsamen sonntäglichen Abendbrot-tisch so manches
Mal leer blieb, weil im Radio die "Pop Shop Top Ten" mit Frank Laufenberg nunmal Vorrang hatten.
Jene Tage, in denen ich Verabredungen mit Freundinnen oder Freunden absagte, für Aktivitäten jeglicher Art
aus "wichtigen terminlichen Gründen" nicht zur Verfügung stand, und in denen ich telefonische Störungen barsch abblockte,
weil - und das war ja gemeinhin als ein driftiger Grund für mich bekannt - der Donnerstagabend alleine der
"Internationalen Hitparade" mit Werner Reinke gehörte. Ich möchte an dieser Stelle eine gewisse Tendenz zur
engstirnigen Sturheit in solchen sensiblen Terminfragen zu jener Zeit nicht völlig leugnen. Dennoch ist es sicherlich
auch für einen jungen Menschen schon gut, an bestimmten, lieb gewonnenen Prinzipien festzuhalten.
Entwickeln kann man sich ja (bei Bedarf) später dann immer noch!

Die Hoffnung mancher Zeitgenossinnen und –genossen, die Einführung des Privat-Hörfunkes und die damit
einhergehende größere Zahl an Stationen würden auch zu mehr Vielfalt in den einzelnen Hörfunkprogrammen führen,
erfüllte sich in den meisten Fällen nicht.
Stattdessen führte die Kommerzialisierung im Radio genau wie im TV dazu, daß sich öffentlich-rechtliche Kanäle
den werbefinanzierten Stationen anpassten und inzwischen eine ziemlich solide abgeflachte Einheits-Soße bilden.

Das Resultat sind in aller Regel standardisierte Sender- und Sendungsformate.
Die Entscheidung, eine bestimmte Station auszuwählen und einzuschalten ist fast immer auch die Entscheidung
für ein bestimmtes Senderformat, einen bestimmten Musikstil, eine bestimmte Informationsintensität und
politische Ausrichtung der journalistischen Präsentation und Berichterstattung. Ein „friedliches“ Wechselspiel
mehrerer oder gar vieler unterschiedlicher Stile und Genres auf ein und der selben Frequenzeinstellung ist
– leider schon seit geraumer Zeit – nicht mehr im Hörfunk anzutreffen.
Stattdessen beansprucht fast jede Station eine geradezu ultimative Superlative an Aktualität, Trendhaftigkeit
oder welcher Zielsetzung sie sich auch immer verschrieben haben mag.

Seitdem diese große Langeweile im Radio zur Realität geworden ist und kaum eine Station von den hundert
anderen desselben Formates unterschieden werden kann, seitdem Moderationsstile für Sprecherinnen und Sprecher
auf bestimmte Formate standardisiert von allen Sendungsschaffenden durchgehalten werden und echte
Individualistinnen und Individualisten, die die oder der treue Begleiterin oder Begleiter am Mikrofon durch
ein Radiohörerinnen- und/oder Radio-Hörer-Leben sein könnten,Mangelware und die seltene rühmliche Ausnahme
geworden sind, seitdem sich zwischen all’ dem Geklingel, Gedudel und Geplapper kaum noch feststellen lässt,
wann eine Sendung anfängt und wieder aufhört, was nun Nachrichten, Wetterbericht oder Programmhinweise sein
mögen, seit nun diesem vollständigen Eintreten des intelektuellen Notstandes im Hörfunk, ist die einstmals in
den Gründerjahren des Rundfunks propagierte Vision vom „globalen Hörsaal“ entgültig verdrängt und vom Dudelfunk
vollständig ersetzt worden.

Ich kenne heute nur noch wenige Hörfunksendungen und erst recht kaum eine Station mehr, der ich über längere Zeit mein
geneigtes Ohr leihen und Interesse schenken mag, so wie einstmals in meinen ersten fünfzehn oder knapp zwanzig
Lebensjahren. Und das hat nicht nur etwas mit altersbedingt verändertem Rezeptionsverhalten zu tun!
Der Gedanke daran, daß eines Tages einmal auch der Letzte meiner einstigen Radio-Helden ein allerletztes Mal den
Mikrophonregler heruntergezogen, den Kopfhörer beiseite gehängt und die Studiotür von außen hinter sich
zugemacht haben wird, dieser Gedanke an die zu erwartende ohrenbetäubende Funkstille ist so unendlich
grausam für mich, daß er mich mit mehr als nur bloßem Unbehagen erfüllt.

Meine Qualifikation fürs "Radio-machen"

Ich bin kein ausgebildeter (Radio)-Journalist. Ich bin auch kein Diskjockey im eigentlichen Sinne.
Ich habe auch überhaupt nicht das Ego und die Zeit zur Verfügung, um dies liebevoll verkörpern zu können.
Allenfalls bin ich ein am Medium "Radio" interessierter Musikfreund mit ein paar tausend CD’s, Schallplatten
und Audio- bzw. VHS-Cassetten im heimischen Wohnzimmer. Auch einige DVDs beginnen sich allmählich dort
aufzutürmen.
Außerdem habe ich vor vielen Jahren einmal ein paar Semester Medienwissenschaften in Marburg im Nebenfach studiert,
als sich dort der gesamte Fachbereich eigentlich nur mit visuellen Medien beschäftigt hat.

Was möchte ich mit "Sammelsuri-RUM" erreichen/herstellen?

Durch meinen Beitrag zur Hörfunklandschaft mit meiner Sendung „Sammelsuri-RUM“ möchte ich zunächst einmal zwei
Stunden Programm im Monat schaffen, die auch ich gerne so noch heute im Radio hören und deshalb auch gezielt
einschalten würde.

Warum eine Musiksendung?

Für eine Musiksendung habe ich mich deshalb entschieden, weil Musik einerseits das Universum darstellt in dem
ich mich nun einmal bewege und der zeitliche Aufwand an redaktioneller Arbeit für mich andererseits viel zu
beträchtlich wäre, als um eine Wortsendung in für mich zufrieden stellendem Maße gestalten zu können.

Wie möchte ich diese Musiksendung gestalten?

Ich möchte mit für mich vertret- und verkraftbarem Aufwand Musik zusammenstellen, die ich im Radio halbwegs
wertschätzend präsentieren und hinter der ich „stehen“ kann.

Und natürlich ist es mir auch wichtig, zu den Menschen, die diese Musik einmal hergestellt haben, etwas zu sagen;
sie nicht als (Super)Stars zu glorifizieren und als vermeintlich schön und reich zu verklatschen, sondern sie
– ganz im Gegensatz dazu – zurück in die weltliche, in die menschliche Mitte zu holen, soweit dies mit den
mir zur Verfügung stehenden Informationsquellen überhaupt möglich ist. Jeder und jedem Einzelnen möchte ich dabei
ausreichend eigenen Bewertungsspielraum überlassen.

Worauf ich bei der Gestaltung von "Sammelsuri-RUM" besonderen Wert lege

Mmir ist vor allem der Reichtum an Kontrasten wichtig. Das bewusste Gegenüberstellen und Aneinanderreihen von
gegensätzlich erscheinenden und sich wiedersprechenden Musikstilen stellt eine besondere Herausforderung dar,
der ich mich immer wieder gerne stelle und die auch hin und wieder gelingt! Gerade die Übergänge zwischen zwei
Titeln, die Blenden und Brücken, die Erwartung des nächsten, noch nicht vorhersehbaren Musiktitels haben bei
mir selbst als Radiohörer immer einen starken Reiz zum „dran bleiben“ geweckt.

Bei der Musikauswahl achte ich zudem darauf, daß ein gewisses Gleichgewicht zwischen Wiedererkennungseffekten
und akkustischen Neuerfahrungen durch seltener im Radio gespieltes Material bei der oder dem Hörenden hergestellt wird.

Was bedeutet Musik für mich?

Musik ist für mich nicht nur ein akkustisches, sondern vor allem auch ein visuelles Erlebnis, daß ich in
Farben, Schattierungen, vielfältigen Lichtspieln und zusammengesetzten Bildern vor mir sehe. Einerseits
speichere ich in Musik meine ganz persönlichen Erinnerungen ab, um sie jederzeit wieder als Bildnis wie aus einem
Photoalbum hervorholen zu können. Musik und/oderRadio zu hören bedeutet für mich somit eine Dia- oder Bilderschau
meines ganz persönlichen und emotionalen Lebens.

Zum Anderen kann ich mir mit Musik ganz neue, eigene sinnliche Welten schaffen.
Das Ausmalen und Hineinträumen in eine (Er)lebenswelt durch wundervoll ausgefeilte, blumig illustrierte Erzählungen
innerhalb von Songtexten gehört für mich genauso dazu, wie das bloße „Anknipsen“ eines bunten Lichtspiel-Reigens,
der die Seele stimuliert, wärmt und kräftigt.
Wer weiß, wie es sich anfühlt, aus dem dumpfen Alltag heraus, mit mittelprächtiger Laune versehen, sich den
Kopfhörer aufzusetzen und eine Lieblingsplatte aufzulegen, der kanndieses Erleben vielleicht nachvollziehen:
Man betritt durch eine knarrende Holztür eine dunkle Sakristei, und erst mit dem Drehen bzw. Abspielen des
Tonträgers, dem Knistern der Plattennadel in der noch "leeren" Rille öffnen sich ganz allmählich die Pforten
hin zum Altar-Raum hinter dem sich das gewaltige Hauptschiff einer Kathedrale erstreckt und allmählich mit Licht
und Farbe anfüllt.
Ein rumpelnder Baß, filigranes Gitarrenwerk, ein satter, raffiniert punktierter Beat, der gleisende Teppich einer
Hammond-Orgel wie der blendende Schimmer einer hinter dem Horizont auftauchenden Sonne, Kraftvolle Bläser!
Das ist Gottesdienst in und an der eigenen Seele, ein geradezu orgiastisches Glücksgefühl!
Tausend Kronleuchter Flammen auf und versprühen ihr unverwechselbar warmes Licht!

Ich bin mir meiner Neigung hin zum Pathos bewusst, doch ist diese Art des akkustischen Erlebens so unmöglich
teilbar, daß Jede und Jeder für sich selbst darauf angewiesen ist, dieses überbordende Glücksgefühl in der Musik
zu finden und zu erspüren, der oder die diesen Zustand nur annähernd nachempfinden oder nacherleben möchte.

Warum gerade "Sammelsuri-RUM"?

„Sammelsuri-RUM“ entlehnt sich aus meinen zahlreichen schon weit über zwanzig Jahre alten Audio-Cassetten,
die ich immer noch besitze, und auf denen ich ein fröhliches und buntes Sammelsurium an Musik in den
Radioprogrammen jener Tage aufgenommen und zusammengesammelt habe. Es bildete die Wurzeln und den Grundstock für
mein ungebrochenes Interesse und die pure Lust am Hören, Genießen und Erleben vom Musik fast jeglicher Färbung.
Und so möchte auch ich mit „Sammelsuri-RUM“ dazu anregen und motivierend wahrgenommen werden, mal wieder in alten
(oder auch weniger alten) Tonträgerbeständen nach lange nicht mehr Abgehörtem, beinahe längst Vergessenem oder
Verdrängtem, zu kramen, zu wühlen und zu stöbern, auf Entdeckungsreise in Klängen zu gehen, zu überprüfen,
inwieweit man sich selbst angesichts des Gehörten entwickelt hat, oder aber auch einfach nur einmal wieder
in purem Genuß – und vielleicht auch hin und wieder in wehmütiger Nostalgie – zu schwelgen und zu verweilen,
so wie man sich eben auch hin und wieder selbst mit einem guten Mahl oder einer gut abgelagerten Flasche Wein
aus dem Keller pflegen sollte, möglicherweise auch aller sonstigen Vernunft zum Trotz.

Wenn meine Sendung ein Ort im Radio sein könnte, von dem aus sich die oder der Eine oder die oder der
Andere zu einer solchen akkustischen Entdeckungs- und Wellness-Tour aufmachen könnte und wollte, so
wäre schon ein großer Teil vom Dem, was ich durch "Sammelsuri-RUM" aussenden möchte, erfolgreich übermittelt.